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Der US-Kongress einfach erklärt: Senat, Repräsentantenhaus und Gesetze

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Die kurze Antwort

Der US-Kongress ist das Parlament der Vereinigten Staaten und besteht aus zwei Kammern: dem Senat mit 100 Senatoren und dem Repräsentantenhaus mit 435 Abgeordneten. Laut Artikel I der Verfassung beschließt er die Bundesgesetze, bewilligt den Haushalt, erklärt Kriege und kontrolliert die Regierung des Präsidenten. Stand Oktober 2026 haben die Republikaner in beiden Kammern die Mehrheit, am 3. November 2026 wird neu gewählt.

Cartoon: das Kapitol in Washington mit zwei Flügeln, links der Senat, rechts das Repräsentantenhaus, davor läuft ein fröhlicher Gesetzentwurf als Schriftrolle auf einem Weg zwischen den beiden Flügeln

Der mächtigste Politiker der Welt darf keinen einzigen Gesetzentwurf selbst einbringen. Will der Präsident ein neues Gesetz, braucht er ein Mitglied im Kongress der USA, das den Entwurf für ihn vorlegt. Am Ende entscheiden Senat und Repräsentantenhaus, ob daraus etwas wird. Wer eine Bundesregierung gewohnt ist, die ihre Vorlagen einfach selbst in den Bundestag schickt, muss da erst einmal umdenken.

Hier bekommst du den Überblick über den US-Kongress: was der Kongress der Vereinigten Staaten ist, welche Aufgaben er hat, wie er die Exekutive kontrolliert und wer dort gerade die Mehrheit hat. Alle Angaben zur aktuellen politischen Lage haben den Stand Oktober 2026.

Was ist der US-Kongress?

Der Kongress (englisch United States Congress) ist die Legislative der Vereinigten Staaten auf Bundesebene, also die gesetzgebende Gewalt. Der erste Satz von Artikel I der Verfassung legt fest: Alle gesetzgebenden Befugnisse liegen bei einem Kongress, der aus einem Senat und einem Repräsentantenhaus besteht. Den englischen Originaltext kannst du in der Abschrift der Verfassung beim US-Nationalarchiv nachlesen.

Dass die Gründerväter die Volksvertretung in Artikel I behandeln, noch vor dem Präsidenten (Artikel II) und den Gerichten bis hinauf zum Supreme Court (Artikel III), hat einen Grund. Sie hielten das Parlament für den Kern der neuen Republik. Zum ersten Mal trat der Kongress am 4. März 1789 zusammen, damals noch in New York. Seit Januar 2025 tagt der 119. Kongress, jede Legislaturperiode dauert zwei Jahre.

Die zwei Kammern im Überblick

Der Kongress besteht aus zwei Kammern, Senat und Repräsentantenhaus, mit zusammen 535 stimmberechtigten Mitgliedern. Jedes Bundesgesetz braucht die Zustimmung beider Häuser. Die Gründerväter haben die Kammern bewusst unterschiedlich gebaut: Das House sollte die Wählerinnen und Wähler direkt abbilden, der Senat die Bundesstaaten als gleichberechtigte Partner.

Senat Repräsentantenhaus (House)
Größe 100 Senatoren, 2 pro Bundesstaat 435 Abgeordnete, nach Einwohnern auf die Bundesstaaten verteilt
Wahl direkt, für 6 Jahre, alle 2 Jahre ein Drittel direkt, für 2 Jahre, alle Sitze gleichzeitig
Eigene Rechte Ernennungen bestätigen, Verträge ratifizieren, Impeachment-Prozess Steuergesetze einbringen, Impeachment-Anklage

Wie die Wahl der Senatoren abläuft, wer die Kammer leitet und was sie vom Bundesrat unterscheidet, steht in unserem Text zum US-Senat. Sitzverteilung, Speaker und den Vergleich mit dem Bundestag findest du im Artikel über das Repräsentantenhaus. Hier geht es um das, was beide Kammern gemeinsam tun.

Welche Befugnisse hat der Kongress?

Die meisten Rechte zählt Artikel I, Abschnitt 8 einzeln auf, von Steuern über Zölle und Währung bis zur Armee. Dazu kommt die „necessary and proper“-Klausel: Der Kongress darf alle Gesetze machen, die er braucht, um diese Befugnisse auszuüben. Im Alltag stehen vier Aufgaben im Vordergrund.

Gesetzgebung

Ein Entwurf wird von einem Mitglied in einer der Kammern eingebracht und landet zuerst in einem Ausschuss, oft auch in einem seiner Unterausschüsse. Dort wird er beraten, geändert oder still begraben, was mit den allermeisten Vorlagen passiert. Am Schluss müssen beide Kammern denselben Wortlaut beschließen. Weichen die Fassungen ab, einigen sie sich, oft in einem Conference Committee, einer Art Vermittlungsausschuss auf Zeit.

Dann geht das Gesetz an den Präsidenten. Legt er sein Veto ein, können Kongress und Präsident in die nächste Runde gehen: Mit Zweidrittelmehrheit in beiden Häusern wird das Veto überstimmt. Im Senat kommt noch eine Hürde dazu, denn für die meisten Vorlagen braucht man 60 Stimmen, um eine Dauerrede zu beenden. Wie das funktioniert, erklärt unser Text zum Filibuster.

Haushalt: die „power of the purse“

Ohne den Kongress gibt es kein Geld. Artikel I, Abschnitt 9 sagt sinngemäß: Aus der Staatskasse darf nur fließen, was per Gesetz bewilligt wurde. Der Präsident schickt zwar jedes Jahr einen Haushaltsentwurf, die Ausgabengesetze schreibt aber die Legislative. Einigen sich die Kammern nicht rechtzeitig, kommt es zum „Shutdown“, und Teile der Bundesbehörden schließen. Der bisher längste dauerte 43 Tage und endete am 12. November 2025.

Seit dem Congressional Budget and Impoundment Control Act von 1974 darf der Präsident bewilligtes Geld außerdem nicht einfach liegen lassen. Dasselbe Gesetz schuf das Congressional Budget Office, das Haushaltsbüro des Kongresses.

Krieg erklären

Nur der Kongress darf den Krieg erklären, der Präsident ist dafür Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Formell erklärt hat der Kongress das bislang elfmal, zuerst 1812 gegen Großbritannien, zuletzt im Juni 1942 gegen Bulgarien, Ungarn und Rumänien. Seitdem genehmigt er Militäreinsätze per Ermächtigung, etwa für Afghanistan 2001 und den Irak 2002.

Die War Powers Resolution von 1973 verlangt, dass der Präsident Einsätze meldet und die Truppen nach 60 Tagen ohne Zustimmung des Kongresses wieder abzieht (plus 30 Tage für den Rückzug). Wie streng sich Präsidenten an diese Regel halten, ist seit Jahrzehnten umstritten.

Kontrolle der Exekutive

Die Ausschüsse laden Minister vor, verlangen Akten und können Zeugen per Vorladung (Subpoena) zur Aussage zwingen. Dazu hat der Kongress eigene Dienste: die Library of Congress mit dem wissenschaftlichen Dienst CRS, den Rechnungshof GAO und das CBO. Das schärfste Mittel der Kontrolle bleibt die Amtsenthebung: Das Repräsentantenhaus klagt an, die Mitglieder des Senats urteilen. Den Ablauf erklärt unser Text zum Impeachment.

Infografik „Was darf der US-Kongress?“: vier Felder mit Gesetze beschließen, Haushalt bewilligen, Krieg erklären und Regierung kontrollieren, dazu die Hürden Zweidrittelmehrheit gegen ein Veto, 60 Stimmen im Senat und 11 formelle Kriegserklärungen
Die vier großen Befugnisse des US-Kongresses auf einen Blick.

Gewaltenteilung: Checks and Balances im Vergleich zu Deutschland

In den Vereinigten Staaten sind Legislative und Exekutive strikt getrennt. Der Präsident hängt nicht von einer Mehrheit im Kongress ab und kann von ihm nicht per Misstrauensvotum gestürzt werden. Umgekehrt darf er die Kammern nicht auflösen. Jede Gewalt bremst die anderen, das meint der Begriff „Checks and Balances“.

So unterscheidet sich das vom deutschen System:

Punkt USA (Präsidialsystem) Deutschland (parlamentarisches System)
Regierungschef über die Wahlleute bestimmt, nicht vom Kongress vom Bundestag gewählt
Minister im Parlament verboten, wer ins Kabinett geht, gibt sein Mandat auf üblich, viele Minister sind Abgeordnete
Gesetzentwürfe nur Mitglieder des Kongresses bringen sie ein auch die Bundesregierung, sie stellt die meisten
Abwahl der Regierung nur per Impeachment bei Amtsvergehen konstruktives Misstrauensvotum
Fraktionsdisziplin traditionell lockerer meist streng

Die Folge: Oft stellt die eine Partei den Präsidenten und die andere die Mehrheit in einer Kammer. Die Amerikaner nennen das „divided government“. Dann wird verhandelt, und manchmal fallen monatelang keine Entscheidungen. Die Gründerväter würden wohl sagen: läuft wie geplant.

Wo tagt der Kongress? Der Sitz im Kapitol

Sitz des Kongresses ist das United States Capitol auf dem Capitol Hill in Washington, D.C. Der Bau begann 1793, am 17. November 1800 kam der Kongress dort zum ersten Mal zusammen, im gerade fertigen Nordflügel. Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude mehrfach erweitert. Heute tagt der Senat im Nordflügel, das Repräsentantenhaus im Südflügel. Die Büros der einzelnen Abgeordneten und Senatoren liegen in eigenen Gebäuden rund um das Kapitol, verbunden durch Tunnel und eine kleine U-Bahn.

Cartoon: Querschnitt durch das Kapitol mit der Kuppel in der Mitte, links der Senatssaal, rechts der größere Saal des Repräsentantenhauses, darunter ein Tunnel mit einer kleinen Bahn zu den Bürogebäuden
Unter einer Kuppel: Senat im Nordflügel, Repräsentantenhaus im Südflügel des Kapitols.

Wer hat die Mehrheit im US-Kongress?

Stand Oktober 2026 hat die Republikanische Partei in beiden Kammern die Mehrheit:

  • Senat: 53 Republikaner, 47 Demokraten (darunter zwei Unabhängige, die mit den Demokraten stimmen).
  • Repräsentantenhaus: 218 Republikaner, 214 Demokraten, ein Unabhängiger, zwei Sitze unbesetzt.

Bei den Midterms am 3. November 2026 stehen alle 435 Sitze im House und 35 Sitze im Senat zur Wahl. Der neue, 120. Kongress tritt Anfang Januar 2027 zusammen. Schon wenige Sitze können dann die Mehrheit drehen.

Tipp: So verfolgst du, was im Kongress passiert

Du musst nicht nach Washington fliegen, um dem Kongress bei der Arbeit zuzusehen. Die wichtigsten Quellen:

  1. congress.gov: die offizielle Datenbank der Library of Congress. Dort findest du jeden Gesetzentwurf mit Nummer (H.R. für das Repräsentantenhaus, S. für den Senat), seinen Stand, die Abstimmungen und die Mitglieder.
  2. C-SPAN: Der Sender überträgt seit 1979 die Sitzungen des Repräsentantenhauses und seit 1986 die des Senats, live und ungeschnitten, auch als Stream auf c-span.org.
  3. Ausschuss-Seiten: Anhörungen laufen meist live auf den Websites der Ausschüsse.

Wenn du nur eine Sache ausprobierst: Such dir auf congress.gov einen Gesetzentwurf aus den Nachrichten und schau, in welchem Ausschuss er gerade steckt. Meistens liegt er noch dort.

Kernaussagen zum US-Kongress

  • Der Kongress der Vereinigten Staaten besteht aus zwei Kammern: Senat (100 Mitglieder) und Repräsentantenhaus (435 Mitglieder).
  • Artikel I der Verfassung gibt ihm alle Gesetzgebungsbefugnisse des Bundes.
  • Seine großen Aufgaben: Gesetze beschließen, den Haushalt bewilligen, Krieg erklären und die Exekutive kontrollieren.
  • Präsident und Kongress sind strikt getrennt, keiner kann den anderen abwählen oder auflösen.
  • Sitz ist seit November 1800 das Kapitol in Washington, D.C.
  • Stand Oktober 2026 haben die Republikaner in beiden Kammern die Mehrheit, am 3. November 2026 wird neu gewählt.

Quellen

  1. National Archives: The Constitution of the United States: A Transcription
  2. bpb: Kongress – fragmentierte Legislative
  3. U.S. Senate: Declarations of War
  4. Congress.gov: Legislation, Members and Votes of the U.S. Congress