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Das Repräsentantenhaus: Die große Kammer des US-Kongresses erklärt

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Die kurze Antwort

Das Repräsentantenhaus ist die größere Kammer des US-Kongresses: 435 stimmberechtigte Abgeordnete, nach Einwohnerzahl auf die Bundesstaaten verteilt und alle zwei Jahre komplett neu gewählt. Nur diese Kammer bringt Steuergesetze ein, erhebt Impeachment-Anklage und wählt bei einem Patt im Electoral College den Präsidenten. Speaker ist Mike Johnson, die Republikaner haben eine knappe Mehrheit (Stand: Oktober 2026).

Cartoon: Das Kapitol in Washington, davor ein Kreis aus Sitzbänken um ein Rednerpult mit Hammer und Menschen mit Stimmzetteln, als Sinnbild für das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten

Alle zwei Jahre steht im Repräsentantenhaus jeder einzelne Sitz zur Wahl, alle 435 auf einmal. Im Deutschen Bundestag passiert das nur alle vier Jahre, im US-Senat nie: Dort wechselt immer nur ein Drittel. Wer in Washington Abgeordneter sein will, ist deshalb praktisch im Dauerwahlkampf.

Das Repräsentantenhaus, englisch United States House of Representatives, kurz „the House“, ist die größere der beiden Kammern im Kongress der Vereinigten Staaten. Der erste Kongress trat 1789 in New York zusammen, heute tagen beide Kammern im United States Capitol in Washington. Am besten verstehst du es im Vergleich: zuerst mit dem Senat, dann mit dem Bundestag, den du von hier kennst. Alle Angaben zur aktuellen politischen Lage haben den Stand Oktober 2026.

Wie werden die Sitze im Repräsentantenhaus verteilt?

Die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika legt keine feste Zahl an Abgeordneten fest. Sie verlangt nur, dass die Mandate nach Einwohnern auf die einzelnen Bundesstaaten verteilt werden und jeder Staat mindestens eines bekommt. Im 19. Jahrhundert wuchs die Kammer deshalb mit dem Land mit. Seit 1913 hat das Repräsentantenhaus 435 Sitze, festgelegt durch ein Gesetz von 1911. Der Permanent Apportionment Act von 1929 hat diese Zahl eingefroren und ein automatisches Verfahren für die Neuverteilung eingeführt.

So läuft die Verteilung ab:

  • Alle zehn Jahre zählt das Census Bureau die Bevölkerung, zuletzt 2020.
  • Aus den Einwohnerzahlen berechnet sich, wie viele der 435 Mandate jeder Bundesstaat bekommt.
  • Die Staaten zeichnen danach ihre Wahlkreise neu, die Congressional Districts. In jedem Wahlkreis bestimmen die Bürger in direkter Wahl genau einen Vertreter, wer die meisten Stimmen hat, gewinnt.

Nach dem Census 2020 gewann Texas zwei Sitze, während Kalifornien, New York und fünf weitere Staaten je einen verloren. Kalifornien stellt nun 52 Mitglieder, sechs Staaten wie Alaska, Vermont und Wyoming nur einen einzigen. Beim Neuzeichnen der Wahlkreise wird oft heftig gestritten, denn wer die Grenzen zieht, kann Wahlergebnisse beeinflussen. Wie das funktioniert, liest du in unserem Erklärtext zum Gerrymandering.

Dazu kommen sechs Mitglieder ohne Stimmrecht im Plenum: Delegierte für den District of Columbia, Guam, die Amerikanischen Jungferninseln, Amerikanisch-Samoa und die Nördlichen Marianen sowie ein Resident Commissioner für Puerto Rico. Sie dürfen Gesetzentwürfe einbringen, reden und in Ausschüssen mitarbeiten. Bei der Schlussabstimmung im Plenum müssen sie zuschauen.

Senat und Repräsentantenhaus: die zwei Kammern im Vergleich

Der Kongress besteht aus zwei Kammern, und jedes Gesetz braucht die Zustimmung beider. Die Gründerväter haben sie bewusst unterschiedlich gebaut: Die große Kammer sollte nah am Volk sein, der Senat die Bundesstaaten vertreten und langsamer entscheiden.

Infografik: Repräsentantenhaus und Senat im Vergleich, 435 Abgeordnete mit 2 Jahren Amtszeit gegenüber 100 Senatoren mit 6 Jahren, dazu die exklusiven Befugnisse beider Kammern
Zwei Kammern, ein Kongress: das Repräsentantenhaus und der Senat auf einen Blick.
Repräsentantenhaus Senat
Mitglieder 435 Abgeordnete (plus 6 ohne Stimmrecht) 100 Senatoren
Verteilung nach Einwohnerzahl der Bundesstaaten 2 pro Bundesstaat
Amtszeit 2 Jahre 6 Jahre
Neuwahl komplett alle 2 Jahre ein Drittel alle 2 Jahre
Mindestalter 25 30
US-Staatsbürger seit mindestens 7 Jahren mindestens 9 Jahren
Vorsitz Speaker, von der Kammer bestimmt Vizepräsident der USA
Exklusive Zuständigkeiten Steuergesetze einbringen, Impeachment-Anklage, Präsidentenwahl bei Patt Ernennungen bestätigen, Verträge ratifizieren, Impeachment-Urteil
Debatte Redezeit streng begrenzt Filibuster möglich

Welche Kammer ist mächtiger? Darüber streiten Politikwissenschaftler gern. Der Senat hat mehr Prestige und entscheidet über Richter und Minister. Das Repräsentantenhaus kontrolliert dafür den Anfang jedes Steuergesetzes und kommt mit einfacher Mehrheit aus, während im Senat für die meisten Vorlagen faktisch 60 Stimmen nötig sind. Mehr über die zweite Kammer findest du in unserem Text zum US-Senat.

Welche Befugnisse hat das Repräsentantenhaus?

Gemeinsam mit der zweiten Kammer beschließt das Haus Gesetze und den Haushalt des Kongresses der USA. Zu seinen Aufgaben gehört auch die Kontrolle der Exekutive, also der Regierung des Präsidenten, etwa durch Anhörungen in den Ausschüssen. Drei Rechte stehen laut Verfassung aber nur dieser Kammer zu.

Cartoon: Eine Waage im Kapitol mit einer Steuer-Schriftrolle und einem Richterhammer, dahinter eine Wahlurne auf einer Wippe mit zweimal 269, als Sinnbild für die Befugnisse des Repräsentantenhauses
Steuergesetze, Impeachment-Anklage, Präsidentenwahl bei Patt: drei Rechte hat nur das Repräsentantenhaus.
  1. Steuergesetze: Laut Artikel I, Abschnitt 7 der Verfassung müssen alle Gesetze, die Einnahmen erzeugen, in der großen Kammer beginnen. Die Senatoren dürfen sie ändern, aber nicht als Erster einbringen.
  2. Impeachment-Anklage: Nur die Mitglieder des Repräsentantenhauses können einen Präsidenten, Richter oder Beamten mit einfacher Mehrheit anklagen. Den Prozess führt danach der Senat, für eine Verurteilung braucht er zwei Drittel. Angeklagt wurden bisher Andrew Johnson, Bill Clinton und Donald Trump (zweimal), verurteilt wurde keiner. Den Ablauf erklärt unser Text zum Impeachment.
  3. Präsidentenwahl im Notfall: Bekommt bei der Präsidentschaftswahl niemand 270 der 538 Wahlleute, etwa bei einem Patt von 269 zu 269, entscheidet das Haus, wer ins Weiße Haus einzieht. Nach dem 12. Verfassungszusatz hat dabei jeder Bundesstaat nur eine Stimme. Wyoming zählt so viel wie Kalifornien, gewählt ist, wer 26 Staaten hinter sich bringt. Das kam bisher zweimal vor, 1801 und 1825.

Der Speaker: Sprecher des Repräsentantenhauses

Den Speaker of the House bestimmt das Plenum, in der Praxis gewinnt fast immer der Kandidat der stärkeren der beiden großen Parteien. Er leitet die Sitzungen und bestimmt mit, welche Vorlagen überhaupt zur Abstimmung kommen. In der Nachfolgeregelung steht er an zweiter Stelle, direkt nach dem Vizepräsidenten. Seine heutige Macht geht stark auf Thomas Brackett Reed zurück, der in seiner Amtszeit als Speaker in den 1890er-Jahren die Geschäftsordnung zugunsten der Mehrheit umbaute.

Aktueller Speaker ist Mike Johnson (Republikanische Partei) aus Louisiana, im Amt seit Oktober 2023 (Stand: Oktober 2026). Wie schwer der Posten zu erobern sein kann, zeigte der Januar 2023: Sein Vorgänger Kevin McCarthy brauchte 15 Wahlgänge, so viele wie seit über 160 Jahren nicht mehr. Im Oktober 2023 wurde er als erster Speaker überhaupt per Abstimmung abgesetzt.

Wer hat die Mehrheit im Repräsentantenhaus?

Laut dem Büro des Clerk of the House sieht die Verteilung im 119. Kongress so aus (Stand: Oktober 2026):

  • Republikaner: 218
  • Demokraten: 214
  • Unabhängige: 1
  • unbesetzt: 2

Die Republikaner führen also knapp. Bei voller Besetzung braucht man 218 Stimmen, schon wenige Abweichler können ein Gesetz kippen.

Die Wahlen alle zwei Jahre sorgen dafür, dass das so nicht bleiben muss: Bei den Midterms am 3. November 2026 stehen alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus zur Wahl, dazu rund ein Drittel der Senatssitze. Der neue Kongress tritt Anfang Januar 2027 zusammen und wählt dann als Erstes den Speaker. Wie die beiden Kammern des Kongresses im Kapitol zusammenarbeiten, steht in unserem Überblick zum US-Kongress.

Repräsentantenhaus und Bundestag: der Vergleich

Auf den ersten Blick wirkt das Repräsentantenhaus wie das amerikanische Gegenstück zum Bundestag. Beide sind die direkt gewählte Volksvertretung. Bei näherem Hinsehen unterscheiden sie sich aber in fast jedem Punkt, vor allem weil die USA ein Präsidialsystem haben und Deutschland ein parlamentarisches.

Repräsentantenhaus (USA) Deutscher Bundestag
Größe 435 stimmberechtigte Abgeordnete 630 Abgeordnete (seit der Wahl 2025)
Wahlperiode 2 Jahre 4 Jahre
Wahlsystem Mehrheitswahl in Einerwahlkreisen personalisierte Verhältniswahl mit Erst- und Zweitstimme
Regierungschef wird nicht vom Parlament gewählt Bundestag wählt den Bundeskanzler
Abwahl der Regierung nicht möglich, nur Impeachment konstruktives Misstrauensvotum
Vorsitz Speaker, zugleich Anführer der stärksten Partei Bundestagspräsidentin, Amt eher überparteilich
Auflösung nicht möglich, feste Wahltermine vorzeitige Neuwahl unter Bedingungen möglich

Der größte Unterschied: Im Bundestag hängt die Regierung von der Parlamentsmehrheit ab, in Washington nicht. Dort kann die stärkste Fraktion auch der Partei angehören, die nicht den Präsidenten stellt. Die Amerikaner nennen das „divided government“. Für Deutsche klingt das nach Dauerkrise, im amerikanischen Kongress ist es fast der Normalfall.

Kernaussagen zum Repräsentantenhaus

  • Das Repräsentantenhaus hat seit 1913 435 stimmberechtigte Abgeordnete, festgeschrieben durch den Permanent Apportionment Act von 1929.
  • Die Mandate werden nach jedem Census nach Einwohnern auf die Bundesstaaten verteilt, jeder Staat hat mindestens eines.
  • Alle Mitglieder stellen sich alle zwei Jahre zur Wahl, die nächste Wahl ist am 3. November 2026.
  • Sechs Delegierte aus dem District of Columbia und den Außengebieten reden mit, stimmen im Plenum aber nicht ab.
  • Nur die große Kammer bringt Steuergesetze ein, erhebt Impeachment-Anklage und wählt bei einem Patt den Präsidenten.
  • Speaker ist Mike Johnson, die Republikaner führen knapp (Stand: Oktober 2026).

Quellen

  1. Office of the Clerk, U.S. House of Representatives
  2. U.S. House of Representatives: The House Explained
  3. National Archives: The Constitution, Amendments 11–27
  4. U.S. Census Bureau: 2020 Census Apportionment Results